Sabine im Trailfieber

Watzmann Ostwand

Zu meinem 50sten Geburtstag wünschte ich mir die Begehung der Watzmann Ostwand mit einem Bergführer. Letztesn Wochenende habe ich mein Geschenk nun eingelöst. Der Wetterbericht versprach sonniges und sommerliches Wetter. So fuhr ich am Samstag zusammen mit meinem Papa nach Ramsau und um 16:30 Uhr war ich mit Bergführer Hans an der Wimbachbrücke verabredet. Papa fuhr uns zum Königssee, wir stiegen in das 17 Uhr Schiff ein und nach einer halben Stunde war ich auch schon in St. Bartholomä angekommen. Das berühmte Echo vom Königssee erlebte ich natürlich auch.

Angekommen gab es in dem Gasthaus noch eine Brotzeit und dann bezogen wir auch schon das Ostwandlager. Da es sich rund um den Königssee um einen Nationalpark handelt, ist es niemandem gestattet, in St- Bartolomä zu übernachten. Auch das Gasthaus darf keine Gäste aufnehmen. Lediglich den Begehern der Ostwand wird erlaubt, im Ostwandlager zu schlafen. Außer uns waren noch 3 weitere Bergführer mit ihren Schützlingen vor Ort und im Nebenraum noch etwa 15 weitere Ostwandaspiranten.

In der Früh um 4:30 Uhr brachen wir auf, damit wir ungefähr bei Anbruch des Tages das Schuttkar erreicht hatten. Mit Stirnlampe ausgerüstet ging es über Waldwege und später steiler durch sogenanntes Schrofengelände bis zum Schuttkar. Nun begann einfache Kletterei im zweiten Grad, aber auch einige schwierigere Stellen waren dabei. Da ich aber noch gut bei Kräften war, ging es noch relativ flott voran. Bald erreichten wir auch schon die Schlüsselstelle Wasserfallplatte und nach mehreren Seillängen Plattenkletterei kam ich doch ordentlich ins Schwitzen. Nach diesen schwierigen 100 Metern ging es weiter mittels Kletterei, jedoch ein wenig einfacher, bis zur Gipfelschlucht.

Hier machten wir erste Pause und Hans demonstrierte mir, wie man aus diesem Rinnsal trotzdem rasch seine Wasservorräte auffüllen kann. Nach der Pause folgte einfache Kletterei ohne Seil. Die Ausblicke waren gigantisch und der Nebel über dem Königssee verzog sich. Auch wenn es sich hier nur um leichte Kletterei handelt, so machten sich doch erste Ermüdungserscheinungen breit. Hans ermunterte, doch mehr meinen Beinen zu vertrauen und die Arme zu schonen. Eine Tatsache, die ich aber auch zuhause an der Kletterwand schon öfters zu hören bekam 😉 Aber es nutzte nichts, ich wollte ja nach oben. Zu dieser Zeit hörten wir auch, dass unter uns der Rettungshubschrauber anrückte. Kopfkino lief ab und erschwerte mir kurzzeitig zügiges Klettern. Später erfuhr ich, dass ein 56 jähriger Bergsteiger 50 Meter in die Tiefe stürzte, aber überlegte.

Ich fasste mich wieder und weiter ging es bis zur berühmten orangefarbenen Biwakschachtel der Ostwand. Ich inspizierte sofort die Notunterkunft. Ungefähr 6 Schlafsäcke hingen hier aufgereiht und können von jedermann benutzt werden, der hier eine längere Pause oder sogar eine Übernachtung nötig hat. Ich suchte nun auch noch den Geocache, der hier versteckt ist und nach kräftiger Stärkung ging es dann aber wieder weiter. Die schwierigsten Stellen der ganzen Ostwand warteten auf den letzten Metern bis zur Südspitze. Ein letztes Mal wurde angeseilt und noch einmal muss ich erwähnen, dass es nicht die schwierigen Kletterstellen waren, die nun zu schaffen machten. Ich bereits 6 Stunden in der Wand und die Kräfte schwanden. Und ich gebe auch zu, dass ich manchmal lieber nicht den Blick nach unten warf. Den 5 Meter Pfeiler überwand ich dann aber auch und bis ich mich versah, stand ich auf der Südspitze. Hier war heute reges Treiben angesagt. Viele nutzten das schöne Wetter für die Watzmannüberschreitung. Sie waren über das Hocheck und die Mittelspitze teilweise mittels Klettersteig auf die Südspitze gestiegen. Südspitze ist demzufolge das Ziel der Ostwandbegeher und der Watzmannüberschreiter. Ist man an der Südspitze angekommen, geht der Weg üblicherweise über das Wimbachgrieß nach unten. Wir hingegen entschieden uns dafür, nun auch noch die Überschreitung in umgekehrter Richtung anzuhängen. Diese hatte ich 2014 schon einmal gemacht und hatte sie als absolut einfach in Erinnerung. Heute allerdings, nach 7,5 Stunden Klettern in der Ostwand, war ich dann doch schon etwas geschwächt. So hangelte ich mich etwas träge zur Mittelspitze und dann weiter zum Hocheck. Ab da ging es nur noch bergab, allerdings auf grobem Kies und teilweise losen Felsen. Meinen Oberschenkeln gefielen diese letzten Meter überhaupt nicht. Lange bevor man unten ist, sieht man das Watzmannhaus und der Gedanke an ein kühles Bier lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Nach 12 Stunden war ich am Watzmannhaus angelangt. Und bevor ich nun noch zur Wimbachbrücke abstieg, stieß ich bei einem kühlen Bier mit meinem Bergführer Hans an. Er war es auch, der wusste, dass an diesem Tag Alex Huber (einer der beiden HuberBoum) noch auf das Haus kommen würde, um morgen mit Gästen die Watzmannüberschreitung zu machen. So war es also nicht auszuschließen, dass ich auf meinem Abstieg den Alex treffen könnte. So geschah es dann auch tatsächlich, zuerst entdeckte ich die Kameramänner und dann kam auch schon er hochgestapft. Und natürlich war er bereit für ein Foto mit mir 😉

Nach knappen 2 Stunden war ich unten und Papa erwartete mich schon. Ich glaube, er war heilfroh, dass ich wieder da war. Dankenswerterweise musste ich keinen einzigen Fahrkilometer übernehmen und wurde entspannt nach Hause geschippert. Ein wunderschöner Tag mit einem gigantischen Abenteuer ging zu Ende.

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