Sabine im Trailfieber

Stelvio Marathon: Run to the magic pass

Nach Triathlondebüt im letzten Jahr wollte ich mich heuer wieder mehr auf das Laufen besinnen, da es doch meine Lieblingsdisziplin ist. So habe ich mir bereits in den Wintermonaten den Marathon am Stilfserjoch ausgesucht. Meine Freundin Helga musste ich nicht lange dazu überreden. Mit 2500 Höhenmetern auf 42 Kilometer verteilt konnten wir uns sehr bald anfreunden. Von den Vereinskollegen des TSV Detag Wernberg konnte nur Roland Krös motiviert werden.

Für die Vorbereitung kam mir zugute, dass ich 2018 zum ersten Mal einen eigenen Traillauf (Silberhüttentrail) veranstalten wollte und somit eine Strecke ausgesucht werden musste. So war ich während des ganzen Winters in Laufschuhen im heimischen Wald unterwegs, um an der Strecke des Trails zu feilen. Richtig eingestiegen in das Training bin ich dann aber erst gegen Ende April, mein erster Wettkampf war der Andechs Trail. Es folgten zwei 10 Kilometer Wettkämpfe und der Bizau Trail mit 30 Kilometern und 1600 Höhenmetern. Lange Läufe, Bergintervalle, und auch richtiges Bergtraining auf den Garmischer Hausbergen Wank, Kreuzeck, Alpspitze und Karwendel rundeten unsere Vorbereitung ab.

Am 16. Juni war Raceday und wir waren uns einig, dass die Hausaufgaben gemacht waren. Als grobes Ziel hatten wir uns vorgenommen, nach 7 Stunden ins Ziel zu laufen. Bereits um 6 Uhr fuhren wir nach Prad, um die Startunterlagen abzuholen. Alles klappte reibungslos und kurz vor 8 Uhr standen wir in der Menge, um auf den Startschuss zu warten. Wetter war für heute sonnig und heiß angesagt, was der Wahrheit entsprach. Nun befanden wir uns auch schon auf der Laufstrecke. Zuerst sollte es 15 Kilometer flach dahin gehen, bevor die Steigungen kamen. Einen 6er Schnitt wollten wir angehen, damit nur ja keine Körner verschossen wurden, bevor es richtig los ging. Wir hielten uns akribisch daran, teilweise waren wir ein klein wenig schneller, aber nicht wesentlich.

Dennoch klagten wir beide über schwere Beine. Nach diesen ersten 90 Minuten kamen dann die heißersehnten Bergpassagen. „Endlich bergauf marschieren“, sagten schweigend unsere Blicke und so schraubten wir uns Meter für Meter bergan. Genau das war es ja, was wir trainiert hatten und was uns gefiel. Technisch war der Lauf zu keiner Zeit schwer. Eine Tatsache, die mir sehr zugute kam. Hervorzuheben ist bei dieser Veranstaltung, dass man sich den Trailrucksack tatsächlich sparen kann, denn Verpflegungspunkte gibt es mehr als reichlich. Wasser, Iso, Obst, später Cola und Gels, alles was das Läuferherz begehrt. Lediglich den angebotenen Apfelstrudel hätte ich eher im Ziel gebraucht als auf der Strecke. Nach 400 Höhenmetern erreichten wir das Stimmungsnest in Stilfs und der erste nasse Schwamm landete aufgrund der Hitze auf dem Kopf.

Rückblickend glaube ich, dass wir uns bereits hier einig waren, dass alles irgendwie nicht so lief, wie wir uns das wünschten. Wir waren zwar für unsere Verhältnisse nicht schlecht unterwegs, aber es fühlte sich nicht so locker an, wie wir uns das gerne gewünscht hätten. Aber jammern half uns eh nichts, wir wollten da hoch. So kämpften wir weiter mit den Steigungen bis endlich die Furkelhütte hinter uns lag und die Tartscher Alm in Sicht kam. Nun war wieder ein bisschen an Laufen zu denken und unsere Laune besserte sich schlagartig ob der wunderschönen Passage, die jetzt folgte.

Dennoch wussten wir, dass die letzten 7 Kilometer auf der Passstraßen noch vor uns lagen. 7 Kilometer und 24 Kehren warteten auf uns. Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, weiß, wie schwer die letzten Kilometer sein können. Doch diese 7 Kilometer hier am Stilfserjoch waren die härtesten Laufkilometer bisher in meinem Läuferleben. Man sieht das Stilfserjoch vor sich. Man sieht die 24 Kehren vor sich. Man sieht 600 Höhenmeter vor sich. Ich werde nie wieder auf den letzten 7 Kilometer bei einem Straßenmarathon jammern 😉

Glücklicherweise waren wir zu zweit und sprachen uns Mut zu. Immer wieder rechneten wir aus, wie lange wir für einen Kilometer brauchen durften, um das gesteckte Ziel von 7 Stunden zu erreichen. In diesem Zustand war selbst diese Rechnerei eine echte Herausforderung. In jeweils 10-11 Minuten schafften wir die ersten Kilometer auf der Straße. Das Ziel war immer noch erreichbar. Nun hieß es nur noch Durchhalten, gegenseitiges Mutmachen. Noch 9 Kehren, juhu „einstellig“, so freuten wir uns. Noch 3 Kilometer, noch 2, noch 1 Kilometer. Doch was war das, laut Uhr hatten wir die 42,2 Kilometer erreicht, aber der Zielbogen nicht in Sicht. Oh nein – wir waren mit den Kräften am Ende. Doch dann, Leute in Sicht, Lautsprecherstimmen hörbar, die letzten Meter rückten näher. Wir nahmen die Beine noch einmal in die Hand und liefen Hand in Hand über die Ziellinie. Die Uhr stoppte bei 6:57 😉 Was für ein Gefühl – unbeschreiblich!!

Roland konnte bereits nach 6:17 h die Ziellinie passieren. Für Helga und mich sprangen sogar die Plätze 2 und 3 bei den AK Platzierungen heraus.

Ausblick:
Woran noch gedreht werden muss, damit das Ganze etwas leichter vonstatten geht, ist uns jetzt schon klar. 50 Wochenkilometer und 2-3 Laufeinheiten sind für solche Unternehmungen nicht wirklich ausreichend. Für den Transalpine Run im September müssen wir hier schon noch einmal eine Schippe drauflegen.

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