Sabine im Trailfieber

Silvester auf der Bella Vista

Die Silvestertage verbrachte ich in diesem Jahr auf der Bella Vista Hütte im Schnalstal. Ich kannte die Hütte bereits, da wir im Frühjahr schon einmal mit den Rotweinfreunden München ein Skitourenwochenende hier verbrachten. Ich wusste also, was mich erwartete: beste Gastronomie, eine Außensauna vom Feinsten, ein Vierbettzimmer, Piste vor der Tür und hoffentlich gutes Wetter und Pulverschnee.

Schon vormittags ging es los, denn ich wollte noch bei Bergzeit vorbei fahren, um nach einer warmen Hose zu schauen, es waren immerhin -20° Grad angesagt. Dank guter Beratung erstand ich eine Primaloft Hose von Dynafit, die sich im nachhinein als wirklich gute Wahl herausstellte. Gegen 15 Uhr waren wir in Kurzras und konnten den Aufstieg beginnen. Für mein Gepäck hatte ich mich dieses Mal für die Materialseilbahn entschieden, um am ersten Tag die Kräfte noch ein wenig zu sparen. Es war eiskalt, ich hatte Gottseidank noch eine Stirnhaube von woolpower erstanden, und der Wind blies frontal von vorne ins Gesicht. Dazu kam schon gleich zu Beginn ein unglaublich steiler Anstieg. Nach 200 Metern war ich schon so frustriert, dass ich meinte, umkehren zu müssen und lieber die Gondel zu nehmen. Durch viel Zuspruch setzte ich dann die Skibrille auf und sie half tatsächlich, dass man den Sturm von vorne anders wahrnehmen konnte. So war der weitere Aufstieg nicht mehr ganz so anstrengend, aber dennoch waren Stefan und Till bald nicht mehr in Sichtweite. Irgendwann wurde es dann dunkel, aber nun hatte wir die Teufelsegghütte erreicht. Diese ließen wir rechts liegen und stiegen weiter auf. Es folgte ein weiterer glatter und steiler Aufstieg und meine Kräfte ließen langsam nach. Skeptisch fragte ich, ob denn auch unsere Route noch stimmen würde und meine Befürchtung wurde zur Tatsache. Wir hatten uns verstiegen. Nun war unser Plan, dass wir zurück zur Teufelsegghütte wollten, um uns kurz aufzuwärmen und danach weiter aufzusteigen. An der Hütte angekommen, war diese bereits geschlossen und ich war mit den Nerven am Ende. Orkanartiger, eiskalter Wind, dazu die Finsternis, kalte Finger und die fehlende Orientierung ergaben eine völlige Resignation. Gottseidank hatte ich mein „Notfallhandy“ im Rucksack und auch die Nummer der Bella Vista Hüttte. Wir riefen dort an und man holte uns mit dem Snowmobil. Völlig ausgefroren kamen wir dann um 19 Uhr als letzte auf der Hütte an und man nahm uns herzlich in Empfang. Nach dem leckeren Essen ging es uns dann auch schon wieder gut und wir lernten uns alle gegenseitig in geselliger Runde kennen. Insgesamt waren wir 22 Leute, alle einigermaßen untereinander unbekannt und organisiert hatte die ganz Sache Nadine von den Rotweinfreunden. Tag 2 war so windig, dass die Lifte geschlossen hatten und niemand die Hütte verlassen konnte. Tag 3 waren eine richtige Skitour immer noch nicht möglich, und so entschieden wir uns für eine Talabfahrt mit anschließendem Pistenaufstieg, dieses Mal allerdings bei Tageslicht 😉

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Tag 4 und zugleich Neujahr sollte das Tourenhighlight werden. Wir entschieden uns für die Finailspitze und bildeten eine Seilschaft mit Till und Birgit. Zu viert machten wir uns auf den Weg, und eine 2. Gruppe folgte uns, angeführt von Alf.

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Wir entschieden uns beim Spaltenfeld für die steile Aufstiegsvariante, da wir das Aufsteigen in der Seilschaft üben wollten. Tags zuvor hatten wir einen „Trockenkurs“ in Spaltenbergung auf der Hütte absolviert und das erlernte Wissen wollte ja nun unbedingt ausprobiert werden. So meisterten wir den Aufstieg mit vielen Spitzkehren in der Seilschaft bravourös und waren bald am Skidepot angelangt. Hier stießen dann Stefan und Alf aus der anderen Gruppe zu uns. Skier schnallten wir nun ab und legten dafür die Steigeisen an. Nun folgte der für mich schönste Teil der Tour: Kraxelei und Gratüberschreitung! Glücklich standen wir dann alle oben am Kreuz und fielen uns in die Arme.

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Die Abfahrt ging super. Somit war das eine grandiose Tour am Neujahrstag, da waren wir uns alle einig.

Am 2. Januar hatten wir uns für die Weißkugel entschieden. Mit der Teufelseggsesselbahn fuhren wir hoch und erklommen dann die ersten Höhenmeter in ziemlich steilem Gelände. Wieder einmal bließ einem der Wind frontal von vorne ins Gesicht, was so überhaupt nicht mein Ding ist. So plagte mich zum einen die Spitzkehren, zum anderen der orkanartige Wind. Als wir den ersten Grat erreicht hatten, kamen uns die ersten Tourengeher entgegen, weil sie sich aufgrund des starken Windes zum Abbruch entschieden hatten. Da ich eh schon meine Bedenken hatte, entschied auch ich mich hier zum Abbruch, der Wind „haute“ einen fast um. Birgit schloss sich mir an und die Männer entschieden sich, weiter zu gehen. Wir beide fuhren dann ab zur Teufelsegghütte und verweilten hier 3 Stunden bei Cappuccino, Aperol und leckerem Essen. Danach begleitete ich Birgit ins Tal, da sie heute ncoh abreiste. Unten angekommen trafen wir dann auch noch Alf und andere Rotweinfreunde. Mit der Gondel fuhr ich dann hoch zur Hütte und entspannte mich bei ausgedehnten Saunagängen.

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Gegen 18 Uhr kamen Till und Tom. Auch sie hatten den Gipfel nicht ganz erreicht, waren aber bis zum Grat gekommen. Am letzten Tag stiegen wir in großer Gruppe zur Grawand hoch, um von dort aus als Abschluss eine lange Talabfahrt zu machen.

Auf dem Nachhauseweg mussten wir einige Stauwartezeiten in Kauf nehmen, aber nichts konnte unsere gute Laune ob der gelungenen Tage auf der Bella Vista trüben. Und natürlich konnten wir nicht einfach so über den Irschenberg brettern. Lindl war angesagt und Käsespätzle füllten meinen Bauch. Nun wurden noch nacheinander Stefan und Till „ausgeladen“ und die Reise nähere sich schon wieder seinem Ende. Fazit: Super schöne 5 Tage mit 22 Leuten, die sich alle gar nicht oder nur flüchtig kannten. Super Stimmung vom Anfang bis zum Ende.

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