Sabine im Trailfieber

Norwegen oder Die Suche nach den Rentieren

Im August ging es für 2 Wochen nach Norwegen. Grund war zum Einen Toms Triathlon Start im Lysefjord und zum Anderen eine Wanderung im Nationalpark. Reisemobil war ein Renault Trafic, den wir kurzerhand noch mit einem Luftbett ausstatteten. Schon zu Beginn war mir klar, dass das ein Abenteuer außerhalb der Komfortzone werden wird. Ohne eine Fähre zu benutzen sollte unser erstes Ziel Kopenhagen sein. Bei Amanda und Thor, die Tom letztes Jahr in Schweden kennenlernte, konnten wir wohnen, wurden fürstlich bekocht und eine exklusive Stadtführung rundete das Ganze ab. Da Thor selbst einmal bei der dänischen royalen Garde gedient hatte, wurde uns der Wachwechsel bis ins kleinste Details auf sehr unterhaltsame Weise erklärt. Am Abend machten wir dann noch einen 13 Kilometer langen Stadtlauf zur „little mermaid“!

 

Nach dem Zwischenstopp in Kopenhagen ging es weiter nach Oslo. Hier sollte dann auch das erste richtige Übernachten im Bus stattfinden. Oberhalb des Holmenkollenstadions fanden wir einen geeigneten Parkplatz. Nun kamen auch zum ersten Mal mein Primuskocher zum Einsatz, Nudeln mit Pesto standen auf dem Speiseplan. Da es dann doch ziemlich schnell kalt wurde, hielten wir uns nicht mehr lange im Freien auf, sondern machten lieber unseren Schlafplatz fertig. Das Luftbett passte gerade so in den Camper und man lag gar nicht so schlecht. Ich gönnte mir allerdings den Luxus einen ordentlichen Kissens. Auf den Outdoortoilettengang mit Stirnlampe gehe ich hier nicht näher ein 😉 Am nächsten Morgen gab es frisch gebrühten Kaffee aus Toms Bialetti und als Erstes machten wir Halt am Holmenkollenstadion. Es begeisterte mich der geteerte Rundkurs für die Skiroller und vor allen Dingen die Tatsache, mit welcher Geschwindigkeit hier schon die Kleinsten ihre Runden ziehen. Hier hätte ich stundenlang zuschauen können, uns drängte jedoch die Zeit, weil wir uns noch eine 10 Kilometer lange Stadtwanderung zurecht gelegt hatten. Am Nachmittag ging es dann flotten Schrittes durch Oslo und wir schafften es tatsächlich, so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Diese Nacht campten wir an einem See und ich erlebte meine erste „Outdoordusche“. Hm, so schlecht ist das gar nicht und vor allem hinterher ist einem pudelwarm.

Nun näherten wir uns am nächsten Tag schon unserem nächsten Ziel, nämlich Lysefjord. Hier sollte Toms Schwimmstart sein und er wollte schon vorher ein paar Schwimmzüge im kalten Meerwasser ausprobieren. Am Steg trafen wir dann auch noch einen anderen Starter und beide gingen zusammen für eine halbe Stunde in das kalte Nass. Diese Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz, schliefen zwar im Bus, aber es konnte geduscht werden.

Am Donnerstag fuhren wir nach Stavanger, weil wir vom Flughafen Kim abholen mussten, die sich spontan bereit erklärte, beim Triathlon Support zu helfen. Nun waren wir ja schon eine Weile in Norwegen angekommen, doch leider spielte bisher das Wetter noch nicht so recht mit. Ich konnte mich daher zwar an der Landschaft erfreuen, aber unendliche Begeisterung wollte sich bei mir nicht so richtig einstellen. Es war immer nur regnerisch und grau. Und Rentiere hatte ich bisher auch noch nicht gesehen 😉 Dafür aber unzählige Schafe! Diese Nacht verbrachten wir in einem kleinen Häuschen auf einem Campingplatz nahe Stavanger.

Nachdem wir am nächsten Tag Kim eingesammelt hatten, ging es wieder zurück nach Lysefjord, weil hier das Briefing für den Triathlon stattfand.

Diese folgende Nacht war für uns alle sehr kurz, denn um 5 Uhr war bereits der Schwimmstart. Um 2:45 Uhr klingelte der Wecker. Um 4:30 Uhr wurden die Athleten mit einem Boot hinaus gefahren, damit sie dann 3,8 Kilometer wieder hereinschwimmen durften. Alle mussten eine orange Schwimmboje mit sich tragen, in die eine eingeschaltete Stirnlampe gelegt werden musste. Das war schon ein schönes Bild, wie das Häufchen mutiger Triathleten da am Steg stand und auf ihren Einsatz wartete.

Nach 2 Stunden und noch ein bisschen was war Tom dann auch endlich aus dem Wasser und das Umziehen für den Radpart konnte beginnen. 22 Minuten brauchten wir, bis wir ihn soweit hatten, dass er auf den Drahtesel geschickt werden konnte. Auf dem 180 Kilometer langen Radkurs waren schon auf den ersten 10 Kilometern 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Tom fuhr immer mit dem Rad voraus, wir dann mit dem Bus hinterher und alle 10 Kilometer warten wir wieder. Während der ganzen Zeit regnete es mal mehr mal weniger. Die meiste Zeit blies dazu noch ein eiskalter Wind. Tom achtet normalerweise akribisch auf seine Ernährung bei einem Wettkampf. Genau abgemessen müssen alle Pülverchen sein, damit das ja alles seine Richtigkeit hat. Kim wurde am Abend zuvor extra noch in seine Ernährungsphilosophie eingewiesen. Bereits nach 10 Kilometern mussten wir feststellen, dass hier und heute alles anders war. Schon hier verlangte er nach einem Riegel, später gab es Nutellabrot, dann wieder Haferkekse. Den Abschuss aber lieferte er nach ungefähr 100 Kilometern, als er zu mir sagte: „Jetzt fahrt ihr mal zu bis zur Tankstelle, heizt den Bus schön warm und kocht mir Ravioli!“ Ich konnte meine Ohren nicht trauen, was ich da hörte. Er wollte Ravioli. Kurz beratschlagte ich mich mit Kim, ob er das wohl ernst meinte oder ob diese immense Anstrengung doch auch mental schon seine Spuren hinterließ. Unsere Diskussion hatte bald ein Ende, denn ich stellte fest, dass wir gar keine Ravioli hatten und Chili con carne wollte ich ihm dann doch nicht anbieten. Wir machten stattdessen Getränke warm und schmierten weitere Nutellabrote 😉

Nun näherten wir uns auch schon bald der zweiten Wechselzone. Wir waren mit unserem Bus schon ein wenig eher hergekommen und sahen andere Athleten, wie sie auf die Laufstrecke wechselten. Bei kaum einem war hier an Laufen zu denken. Bei fast allen sah das eher wie Powerwalken aus und ich wusste, wenn Tom hier einigermaßen gut vom Rad kommt, dann sind noch ein paar Plätze gut zu machen. So war es letztendlich dann auch. Wechselzone war wieder der Bus, aber es ging dieses Mal schon schneller als noch beim Wechsel zum Radfahren.

Schon während der ersten 10 Kilometer überholte er bestimmt 4 Läufer. Aber dann kam auch bei Tom der Zeitpunkt, wo die Power einfach weg war. 14 Stunden war er nun schon unterwegs. Wir hatten ausgemacht, dass ich ab der Hälfte mitlaufen würde und Kim sich dann mit dem Bus so langsam schon dem Ziel nähern konnte. So stieg ich bei Kilometer 20 in das Rennen mit ein und versuchte zu motivieren, was ich nur konnte. Bei dem Monument Broken Chain absolvierten wir dann noch einen Extrakilometer, weil wir dachten, dass hier ein Kontrollpunkt sei. Dafür hätten wir aber nicht soweit laufen müssen, wir hatten den Tracker schlichtweg übersehen. Auf den letzten Metern konnten wir dann noch 2 Athleten einsammeln, die sich nur noch ins Ziel schleppten. Bei den drei Schwertern war dann das Rennen vorbei und die Athleten durften sich „Legends ThorXTri 2018“ nennen.

Diese Nacht verbrachten wir alle drei wohlverdient im Comfort Hotel in Stavanger. Für den nächsten Tag bereitete Kim eine Stadtführung durch Stavanger vor, bevor wir dann noch einmal auf dem Campingplatz mit den kleinen Häuschen übernachteten.

Kim flog nun wieder nach Hause und für uns begann die Wanderung von Lysebotn nach Florli. Ach – bisher hatte ich immer noch kein Rentier gesehen. Wir fuhren mit der Fähre nach Lysebotn, um dann in drei Tagen nach Florli zu wandern. Los ging es also in Lysebotn und eigentlich wollten wir hier einen Shuttle benutzen, der uns zum Ausgangspunkt der Wanderung bringen sollte. Dadurch erspart man sich einige Kilometer Teerstraße und vor allen Dingen einige Höhenmeter, denn es führt nur die Serpentinenstraße nach oben, die Tom Tage zuvor mit dem Rad schon gefahren ist. Da aber um 16 Uhr kein Shuttlebus nach oben fuhr, mussten wir wohl oder übel latschen. Wenig später hielt dann aber tatsächlich ein netter Norweger an und konnte einen von uns mitnehmen. So stieg ich ein und auch Toms Rucksack durfte Platz nehmen. Nur Tom leider nicht. Aber der war ja auch seit ein paar Tagen „legend“ und konnte somit locker die paar Meter hochwanden. Oben angelangt machte ich es mir auf meinem Rucksack gemütlich, doch es dauerte nicht lange, da war auch Tom schon da. Es fand sich doch noch ein netter Autofahrer, der ihn einsteigen ließ.

Erste Etappe sollte heute noch der Kjeragbolten sein. Doch schon auf den ersten Metern merkten wir, dass das kein so lockerer Spaziergang wird, wie wir uns das vorgestellt hatten. Steil bergauf und teilweise schwierige Passagen, wo man auch schon mal die Hände mit hernehmen musste, kennzeichneten den Weg nach oben. Zudem wurde es immer windiger und kälter. So kam es, dass wir gegen 20 Uhr dann doch anfingen, uns ein Plätzchen für das Zelt zu suchen, der Wind blies nun gewaltig, aber wir fanden glücklicherweise bald was Geeignetes und unsere Behausung stand sofort. Während ich mich zuerst einmal in den Daunenschlafsack kuschelte, kochte Tom eine warme Suppe. Ihn fror noch längst nicht so wie mich – „legend“ halt 😉 Nach dieser warmen Mahlzeit war es auch mir nicht mehr kalt und die Nacht hier oben war dann schon etwas Besonderes. Keine Menschen weit und breit, aber auch keine Rentiere 😉 Dafür aber Schafe und man mags nicht glauben, aber wir brauchten Ohrenstöpsel, weil die so einen Krawall machten.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen von Kjeragbolten. Wir mussten nicht mehr lange wandern und hatten unser Ziel auch schon erreicht. Tja – und was soll ich sagen? Für die einen ist eine kinderleichte Sache, auf den Stein hinüber zu hüpfen. Für andere, so wie mich, war es eine echte Herausforderung. Die Tatsache, dass es hinter einem 1000 Meter hinuntergeht, verursachte zittrige Beine. Auf allen Vieren gelang es schließlich, auf das Steinchen zu krabbeln. Aber entspanntes Stehen sieht wohl anders aus. Aber nichtsdestotrotz – ich stand droben. Hier hielten wir uns bestimmt 1,5 Stunden auf, kochten uns einen leckeren Kaffee und machten Brotzeit in der warmen Sonne. Danach marschierten wir weiter. Bis 19 Uhr wollten wir gehen und uns dann einen Platz zum Schlafen suchen. Und heute hatten wir auch echt Glück mit dem Wetter. Wir ließen uns viel Zeit, genossen die Landschaft und auch die Einsamkeit. Schlafplatz fanden wir heute neben einem kleinen See. Somit gab es auch eine „Dusche“ in den norwegischen Bergen. Wenn auch im Moment eiskalt, so war es einem doch hinterher kuschelig warm. Leckere Mahlzeiten und sogar ein Joghurtnachtisch rundeten den Tag ab. Heute regnete es in der Nacht, aber das Zelt hielt dicht.


Schon war der dritte und letzte Tag der Wanderung da. Wir wollten nach Florli und die längste Holztreppe Europas abwärts bewältigen. Da unsere Fähre zurück zum Ausgangspunkt erst am Nachmittag abfuhr, hatten wir viel Zeit. So machten wir nach der Hälfte der Treppen Halt und kochen uns Kaffee. Schade nur, dass heute wieder kein so gutes Wetter war. Aber dennoch war es ein Erlebnis. Unten angekommen, kehrten wir in dem einzig hier existierenden „bed and breakfast“ ein. Uns überraschte ein äußerst gut gelaunter Wirt, der fließend deutsch sprach. Zuerst servierte er uns leckere Waffeln, aber das absolute Highlight waren die Burger mit Rentierfleisch. So hatte ich am Ende der Reise doch noch Kontakt mit Rentieren 😉

Dann kam die Fähre, wir fuhren zurück zum Auto und diese Nacht verbrachten wir in einem Hotel in Kristiansand. Am Tag der Abreise machten wir noch einen Stadtbummel durch Kristiansand und um 16:45 Uhr ging dann unsere Fähre nach Dänemark. Wir fuhren solange wir die Augen offen halten konnten noch Richtung Deutschland und übernachteten dann ein letztes Mal in unserem Bus. Freitag abend kamen wir müde, aber doch sehr erholt und entspannt wieder zu Hause an.

Fazit:
Das mit den Rentieren in Norwegen ist eine glatte Lüge 😉 Komfortzone verlassen hat schon auch seinen Reiz!

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