Sabine im Trailfieber

Meine Ente und ich haben Roth gerockt

Am 17. Juli 2016 war es endlich soweit. Um 9 Uhr war der Staffelstart bei der DATEV Challenge Roth. Begonnnen hatte die ganze Geschichte vor genau einem Jahr. Meine Freundin Helga und ich hatten ein Startplatz geschenkt bekommen für den Womens Run bei der Challenge Roth 2015. In rosa Shirt und rosa Söckchen mussten wir damals an den Start gehen und wir waren von dem Flair und Ambiente rund um die Challenge so überwältigt, dass wir beschlossen, einen Staffelstartplatz für die Challenge 2016 zu ergattern. Ich stellte mich letztes Jahr zusammen mit einem Freund an und erwischte tatsächlich einen Staffelstartplatz und auch einen Einzelstartplatz für Tom. Die Aufteilung innerhalb unserer nun neu entstandenen Staffel war relativ klar. Weder Helga noch ich konnten schwimmen, Helga besaß kein Rennrad 😉 Demzufolge stand fest, dass ich radeln musste, weil ich zumindest seit kurzem ein entsprechendes Rad besaß. Helga wollte laufen, Schwimmerin hatten wir nicht. Im Winter bot sich dann Matthias Hammer an, die Schwimmdistanz zu übernehmen.

Im Sommer 2015 rollte ich dann noch einige Kilometer durch die Oberpfalz, alles aber in ganz gemächlichem Tempo. Ich hatte keine wirkliche Ahnung, wie ein Radtraining auszusehen hatte. Von Oktober bis Dezember ging ich 2x pro Woche in eine Spinningstunde und ich kaufte mir sogar für zuhause ein eigenes Spinningbike. Im Dezember dann begann die heiße Phase: Von Stephan Loew ließ ich eine Leistungsdiagnostik auf dem Bike machen und im Anschluss daran einen Trainingsplan erstellen. GAT1 war schon mal nicht schlecht, ich musste also mehr im härteren Bereich trainieren. Sprich – Kraftausdauer! 3 harte Monate auf dem Spinningbike folgten. Viele TV-Serien hatte ich nebenbei angesehen, um das alles durchzustehen. Dazwischen plagten mich immer wieder hartnäckige Erkältungen und die Zeit bis März lief nicht ganz so glatt wie ich mir das gewünscht hätte.

Ende März ging es dann für eine Woche nach Mallorca ins Trainingslager. Hier musste ich erleben, dass ich noch weit weit entfernt war von einer Radrennfahrerin 😉 Das sah wohl eher noch nach einer gemütlichen Radtouristin aus. An einen ordentlichen 25er Schnitt kam ich nur bis Kilometer 60, danach war Ende Gelände. Ernüchtert ging es nach einer Woche wieder nach Hause. Das Wetter war mies und man konnte nicht wirklich trainieren. So packte ich wenigstens mein altes MTB aus der Garage um ein wenig Höhenmeter zu kurbeln. So ging es weiter in diesem Frühsommer. Es regnete mehr als dass es Sommer wurde und allen Radlern wurde das Trainieren im Freien schwer gemacht. Dennoch schaffte ich es vier 180er Runden zu fahren. Bis zum Challenge Start hatte ich gute 4000 Kilometer in den Beinen und konnte dennoch sagen: Hausaufgaben gemacht!

Während ich in dieser Zeit mit meinem Radl kämpfte, hatte Helga natürlich ihren Marathon im Sinn. Entsetzt waren wir, als Helga dann Ende Juni die Diagnose erhielt, Anriss Innenmeniskus. Aus die Maus. OP Termin stand schon fest. Nun trauerten wir zum einen, weil es ja das gemeinsame Jahreshighlight werden sollte und mussten aber zugleich Ersatz finden. Wir wollten auch nicht irgendjemanden, sondern nach Möglichkeit, einen uns bekannten Läufer. Letztendlich bot sich Christian Liebl aus unserem Verein TSV Detag Wernberg an und übernahm das Laufen.

Nun war es da – das Challenge Wochenende! Zusammen mit Tom fuhr ich schon am Freitag nach Roth, um die Startunterlagen abzuholen. Nachdem wir alle wichtigen Dinge in Händen hatten, schlenderten wir noch ein wenig durch die gigantische Triathlonmesse. Danach ging es nach Hilpoltstein, wo wir auf einer eigens für die Athleten errichteten Zeltwiese unser Lager aufschlugen. Elmar hatte uns extra für dieses Event seinen Bus zur Verfügung gestellt, denn Hotelzimmer kriegt man im Umkreis von 20 Kilometer an diesem Wochenende nicht.

Ente

Das Dach war dann auch schnell ausgeklappt und ab ging es in die Heia. Die Nacht verlief problemlos, den Autolärm der angrenzenden Hauptstraße hörte man kaum. In der Früh weckte uns dann ein „Semmelwagen“ 😉 Mit Brot und Semmeln bepackt radelten wir zum Rothsee, an dem Farina und Elmar campierten. Wir bekamen frischen Kaffee und im Nu war es Mittagszeit. Mein Staffelschwimmer Matthias hatte sich für den Nachmittag angekündigt, damit er die Unterlagen und vor allem den Transponder schon mal bei sich hatte. Gemeinsam schlenderten wir nun zum Bike – check in. Glücklicherweise hatte Jürgen Steiner, der auch als Staffelradfahrer unterwegs war, seinen Radstellplatz unweit meines Renners. Er erklärte sich bereit, dass er am Morgen den Startes noch einmal die Luft meiner Räder überprüfen würde. Diese Sorge war ich nun schon einmal los. Meine Ente nahm ich vorsichtshalber ab, nicht dass sie über Nacht abhanden kommen würde 😉 Danach radelten wir noch einmal nach Roth zur Messe, denn ich hatte mich am Stand von Skinfit verabredet, um die künftige Zusammenarbeit zu besprechen.

Skinfit-Freude

Am Abend genehmigten wir uns heute eine high carb Pizza und sogar ein Schlückchen Rotwein. Während wir so schlemmten erreichte uns die Nachricht von Matthias (er war mittlerweile wieder nach Hause gefahren, um auch Christian seine nötigen Laufunterlagen zu bringen), dass er seinen Transponder nicht mehr finden würde. An allen Ecken und Enden wurde gesucht, bis nachts um 23:30 die Entwarnung kam – Transponder ist wieder aufgetaucht.

Die heutige Nacht war kurz, denn Tom musste schon um 4:30 Uhr aufstehen, da ja um 7:10 Uhr bereits sein Schwimmstart war. Wir zwangen uns, etwas Brot zu essen und vom Kanal hörte man schon klassische Musik durch die Lautsprecher dröhnen. Oh Gott, war das eine Aufregung. Kurz vor Toms Start waren dann auch Matthias und die Fans Melanie, Michl, Wolfgang, Roland und Helga eingetroffen. Kurzes Abklatschen an Tom und schon war er verschwunden im Getümmel der Einzelstart – Schwimmer. Gänsehautfeeling pur. Ich sauste hoch zur Brücke, um das Ganze von oben zu verfolgen. Eine Stunde hatten wir nun locker Zeit, bis er auf sein Rad wechseln würde. Nach 1:11h stieg er aus dem Wasser und konnte sich das Rad schnappen. Er sah super entspannt aus 😉

Nun stieg aber die Nervosität bei Matthias. Er musste um 9 Uhr ins Wasser steigen. Gleiche klassische Musik – Wahnsinnsgefühl. Das muss man erlebt haben, denn mit Worten ist es kaum zu beschreiben. Ich klatsche ihn ab und machte mich nun auf den Weg zum Bus, um mich selber startklar zu machen. Adrenalin ohne Ende!!! Tausendmal wurde überprüft, ob ich auch an alles Wichtige gedacht habe. Flaschen aufgefüllt, Gels am Rad, Pulsmesser, Uhr, und und und.

Radstart

So stand ich um 10 Uhr an meinem Rad, denn Matthias wollte ungefähr 1h 5 Minuten brauchen. Und tatsächlich, nach einer Stunde und 8 Minuten konnte er an mich übergeben. Ich packte mein Radl und sauste zu der Linie, an der ich aufsteigen durfte. Die ersten Meter fühlten sich nicht schlecht an und ich vergaß dann auch meine Sorge, dass ich einen Platten fahren könnte. Bei Kilometer 30, kurz vor Greding hatte ein Radfahrer einen Unfall und beim Näherkommen sah ich nur ein gelbes Trikot. Die Sorge, dass es sich um Tom handeln könnte begleitete mich leider bis ins Ziel. Dennoch trat ich in die Pedale und der Gredinger Berg ging gut, die Beinen blieben einigermaßen locker. Ich befolgte aber auch wirklich die Ratschläge, immer genügend zu essen. Glücklicherweise habe ich hier auch keine Probleme und vertrage so ziemlich alles was es an Gels gibt. Lediglich Riegel mag ich nicht so gerne. Nachdem nun die erste große Rampe geschafft war, fieberte ich dem Solarer Berg entgegen.

Solarer-Berg-von-hinten

Und wie ich es angekündigt hatte, ließ ich meine Ente kräftig quaken und genoss die Anfeuerungen. Da ich ja Staffelradfahrer war, machten sich zu diesem Zeitpunkt allerdings schon viele Fans auf den Weg zur Laufstrecke, so dass nicht mehr ganz so viele Leute hier waren wie bei den Einzelstartern. Dennoch war es überragend, wie man hier nach oben getragen wurde. Anfeuerungen als wäre man die Queen höchstpersönlich. Danach ging es dann eine Weile flach dahin, allerdings kam nun auch mächtig Wind auf.

Radfahren_6

Radfahren_3

In der zweiten Runde konnte ich an der Brücke beim Kanal Farina, Elmar und die Kinder entdecken. Nun merkte ich aber auch langsam, dass doch die Beine schwerer wurden, die Oberschenkelrückseiten schmerzten und der Hintern tat weh. Ab jetzt hieß es Zähne zusammenbeißen und durchkämpfen. Mein erklärtes Ziel waren zum einen die Cut Off Zeit von 8:45 (Schwimmer und Radfahrer) zu schaffen und wenn es gut läuft, die Distanz in 7 Stunden zu fahren. Und nun war ich in der ersten Runde subjektiv super unterwegs. Eine Endzeit von 6:45 war greifbar nahe. Drum half alles nichts, die Schmerzen mussten ignoriert werden. Als ich beim zweiten Mal am Solarer Berg ankam, waren da kaum mehr Leute, aber dennoch sprachen die wenigen einem gewaltigen Mut zu. Die Ente quakte auch wieder und so ging es weiter Kilometer um Kilometer. Da die Strecke ja im Allgemeinen neben den beiden größeren Bergen auch ansonsten wellig war, konnte ich aber zu diesem Zeitpunkt bergauf einige Radler überholen. Meine Stärke zeigte sich ein klein wenig 😉

Radfahrt_1 Radfahrt_2

Kurz vor Staffelwechsel in Roth sah ich dann Helga, Wolfgang und Roland. Gleich darauf war Wechselzone 2 erreicht, ich stieg ab, schob mein Rad und da wartete auch Christian schon auf mich. Ich hatte es geschafft: 6:46 h und ein Schnitt von 26,5 km/h. Ich war mehr als zufrieden. Um 16:57 Uhr konnte ich Christian auf die Strecke schicken. Wir wussten, dass er alles geben wollte und heuer in überragender Form war. In 4 Wochen wird er selber als Einzelstarter bei der Challenge in Regensburg an den Start gehen. Ich wollte nun unterdessen duschen, aber die Schlange war zu groß. So hatte ich nun Zeit, Tom auf der Laufstrecke abzufangen. Nachdem ich meinen Beutel wieder bei mir hatte und somit auch mein Handy, erfuhr ich, dass es ihm beim Laufen nicht gut erging, da er die Gels nicht vertragen hatte. Sein Ziel, den Triathlon in 10:15 zu finishen konnte er nun leider nicht erreichen. Aber so ist bei Langdistanzen, man weiß nie, welche Umstände eintreten werden. Aber er kämpfte sich durch, dachte nicht an Aufgabe und konnte so eine Stunde später überglücklich durchs Ziel laufen. Chapeau und Respekt vor dieser Leistung.

Bis zum Zieleinlauf von Christian war nun noch etwas Zeit und wir saßen alle beieinander in der Erdinger Hütte im Zielbereich. Kurz vor 20 Uhr gingen Matthias uns ich auf die Laufstrecke, um dort auf Christian zu warten. Und tatsächlich, er lief persönliche Bestzeit in 3:00:38 h. Gemeinsam passierten wir in einer Zeit von 10:58:56 als 139. Staffel von 298 die Ziellinie.

Zieleinlauf Zielfoto-Staffel

Geflashed von den Eindrücken des Tages saßen wir dann noch ein wenig zusammen, machten uns dann aber doch bald auf den Weg nach Hause. Unsere Fans fuhren zurück und wir blieben noch eine Nacht im VW Bus. Und weil wir so überwältigt waren von diesem Tag, von der Stimmung, von den unglaublich vielen Gänsehautmomenten (die krieg ich ja gleich wieder während ich diese Zeilen schreibe), beschlossen wir am Montag in der Früh, dass wir jetzt noch einmal nach Roth hineinfahren und uns für Startplätze 2017 anstellen wollten. Ganz nebenbei will ich mir selber beweisen, dass da noch mehr als Radfahrerin in mir steckt 😉 Als wir ankamen, hieß es, dass die Schlange 700 Meter lang sei. Das stimmte auch tatsächlich fast, aber wie auch schon im Vorjahr gingen die Veranstalter mit Zettelchen durch und wenn man im Besitz dessen war, war einem auch der Startplatz sicher.

Anstellen-Startplatz-1 Anstellen-Startplatz-2 Anstellen-Startplatz-3

So stand wir dann zwar den ganzen Vormittag, aber wohlweislich hatten wir Stühle dabei. Während man da so steht schließt man natürlich Bekanntschaft mit den anderen Wartenden und Felix Walchshöfer kommt immer wieder höchstpersönlich vorbei, um Brötchen und Getränke zu verteilen. So wird einem die Wartezeit versüßt und die Zeit vergeht wie im Flug. Ganz nebenbei konnten wir so auch die Siegerehrung miterleben und Jan Frodeno als neuen Weltrekordler live erleben.

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