Sabine im Trailfieber

Kuhsteig, Kalvarienberg, Kälte, Kampf ;-)

20. August – Immenstadt im Allgäu
Der Tag x war gekommen und das vorgenommene Projekt 70.3 musste zur Vollendung gebracht werden. Norwegen war Geschichte, also suchte ich mir was innerhalb Deutschlands raus. Da stieß ich bei der Sucherei auf den Allgäu Triathlon und hab ihn schon beim ersten Durchsehen gleich wieder verworfen. Von wegen Kuhsteig laufen oder 17% Kalvarienberg hinaufstrampeln. Es vergingen jedoch ein paar Tage und ich sah das Ganze schon wieder etwas anders. Schwimmen konnte ich da und da nicht, bergauf fahren mag ich und laufen auf Steigen sollte mir nun auch keine großen Schwierigkeiten machen. Und außerdem startete meine Triathlon Karriere ja erst in diesem Sommer, was soll also passieren. Finish ist das Ziel und evtl unter 7 Stunden setzte ich mir noch als persönliches Ziel beim Vergleichen meines Leistungsvermögens und der Ergebnislisten der letzten Jahre. Ansonsten hatte ich mir irgendwie Welpenschutz auferlegt.

Allgaeu KULT 2017

Es war soweit: Um 7 Uhr war ausgemacht, dass es ein Gruppenfoto mit den Hardtseemafiosis geben sollte. Wir waren heute zwar nur ein kleines Häuflein, dafür aber ein Feines;-)

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Pünktlich um 7:30 Uhr stand ich am Schwimmstart immer noch mit mir hadernd, ob ich den Neo anziehen soll oder nicht. Die Temperatur des großen Alpsees wurde in dieser Sekunde mit 19,9 Grad angegeben. Ich tauchte den Finger ins Wasser und dachte mir, das ziehst du ohne Neo durch. Brustschwimmen geht nun einmal deutlich besser ohne Neo. Ich überlegte nicht mehr lange, verabschiedete mich und ging auf den Steg zum Start. Ich war die Einzige der „Mitteldistanzdamen“, die ohne Neo schwamm. Aber komischerweise sah mich niemand mitleidig an wie noch vor 2 Monaten in Heilbronn. Der Startschuss fiel und ich stieg ins Wasser. Es lief. Es lief so wie meine Brustschwimmerei halt lief. Bis Kilometer 1 war alles gut, doch dann begann die Kälte in mir hoch zu steigen. Schön langsam kamen auch noch die schnellen Männer, die 15 min nach uns ins Wasser durften. Ab jetzt wurde es ein Kampf ums Durchkommen. Ich fror, schluckte Wasser und kämpfte. Dann ein kurzer Landgang und noch einmal reinspringen und 500 Meter schwimmen. Ich wollte nur noch an Land und war gespannt, was da noch alles mit mir passieren würde. Eine Frau war sogar noch hinter mir, so merkte ich irgendwann.

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Dann kam der Zeitpunkt und ich erreichte den Schwimmausstieg. Ich war so dermaßen durchgefroren, dass ich kaum laufen konnte. In der Wechselzone hatte ich Mühe die Socken anzuziehen und überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen, an was ich jetzt alles denken muss. Ein Helfer kam und meinte, am Kalvarienberg würde mir schon wieder warm werden. Also rauf aufs Rad und los ging es. Ich finde aber gar nicht die richtigen Worte für eine Kälte, die ich die nächste Stunde noch empfand. Ein nasser Einteiler, der nicht trocken werden wollte und selbst der Kalvarienberg konnte mir nicht helfen.

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Bei Kilometer 10 merkte ich, dass ich die linken Zehen gar nicht spürte. Bei Kilometer 20 dachte ich ernsthaft an Aufgabe, denn nun war ich auf 1000 Höhenmetern und der Wind blies ordentlich kalt. Aber „Did not finish“ gibts nun einmal nicht und so sauste ich den Berg hinunter. Nach Runde 1 wurde es tatsächlich besser, der Einteiler war trocken und die Zehen aufgetaut. Ich begann ab hier den Radpart zu genießen, blieb aber trotzdem verhalten, denn ich wusste ja, dass noch ein Halbmarathon zu absolvieren war.

Allgaeu KULT 2017

Runde 2 lief besser, auch ein bisschen schneller, aber wie gesagt nicht Vollgas 😉 Wechselzone rückte immer näher, ich entdeckte Tom und versuchte, ein möglichst entspanntes Gesicht zu machen, dem die Anstrengung nicht anzumerken war. Der zweite Wechsel ging auch besser, ich musste ja nur noch in die Laufschuhe schlüpfen. Nun sollte meine Lieblingsdisziplin beginnen, doch seit vier Wochen plagten mich Wadenschmerzen, so dass ich kaum trainieren konnte. Und ob Aquajogging das alles so richtig ersetzen konnte, sollte sich zeigen. Jedenfalls lief ich sehr vorsichtig, immer mit den Gedanken in der rechten Wade. Ich redete mir ein, dass es zumindest bis Kilometer 10 nicht richtig weh tun sollte, ab dann würde ich das Ding auch humpelnd ins Ziel bringen. Aber die Wade hielt. Sie hielt bis zum Ende, auch wenn ich vorsichtig damit umging 😉 Die Laufstrecke im Allgemeinen sieht im Profil super easy aus, ist sie aber nicht. Es ist ein ständiges leichtes Auf und Ab, was schon ordentlich an den Kräften zehrt. Zwischen Kilometer 12 und 13 kam dann er berühmt berüchtigte Kuhsteig. Ca. 150 Meter steil bergauf, kaum zu laufen und eben ein entsprechender Untergrund 😉

Allgaeu KULT 2017

Ich marschierte das Stück hinauf, oben erwartete alle Läufer ein Redbull Stand, den man aber auch brauchte. Hatte man dieses Teilstück erreicht, war es fast ein „gmahte Wiesn“. Sieben letzten Kilometer, davon durfte man auch noch über den Immenstädter Marienplatz laufen und irgendwann hörte man schon den Zielsprecher die Finisher bejubeln. Bald darauf sollte dieses Finishergefühl aber auch mich erreichen.

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Nach 6 Stunden und 54 Minuten überquerte ich die Ziellinie und war super happy, das Ding gerockt zu haben. Das war echt eine Hausnummer.

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2 Kommentare

  1. Waltraud Malzer

    Wenn ich das alles lese , dann empfinde ich Mitleid mit dir Sabine, dass du dich so abplagst. Der Respekt, den ich vor dir habe, ist aber deutlich größer. Stolz darauf bin ich, dass ich dich kenne. Du bist unglaublich Sabine. Einfach super!!

    Antworten
  2. Pingback: Thermenmarathon Bad Füssing 2018 – Sabine im Trailfieber

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