Sabine im Trailfieber

Großglockner über Stüdlgrat

Noch während unserer Deutschlanddurchquerung mit den Rennrad erreichte mich die Nachricht meines Freundes Till, ob ich den Großglockner über den Stüdlgrat mit ihm machen wolle. Ich nahm das Ganze nicht ernst, war ich doch voll und ganz im Triathlonfieber und schrieb einfach mal „ok“ in den Chat. Tags darauf las ich auf dem Display „kein Spaß“. Da ich in diesem Sommer weder in den Bergen unterwegs war, noch eifrig an meiner Klettertechnik gefeilt habe, zweifelte ich noch immer an der Ernsthaftigkeit der Anfrage, tippte aber trotzdem mal ein „Wann“ ins Iphone. Ferien hatte ich ja immer noch 😉 „Nächste Woche“ kam zurück! Es schien sich tatsächlich um eine ernstgemeinte Anfrage zu handeln. Mittlerweile war ich schon so neugierig auf dieses Abenteuer, dass ich einfach mal zusagte.

Nachdem wir von unserer Radreise heimkamen, überfielen mich aber doch gewisse Zweifel. Ich las mich durch alle möglichen Tourenbeschreibungen und mein Bauch sagte mir, dass das eventuell in diesem Sommer schon eine Nummer zu hoch sein könnte. Kondition auf dem Rad und beim Laufen bringen herzlich wenig bei einer alpinen Klettertour. Aber es half nun alles nichts mehr, ich hatte zugesagt und musste da jetzt durch. Bereits tags darauf trafen wir uns mittags in Regensburg und von da ging es gemeinsam nach Kals am Großglockner. Bis zur Stüdlhütte wollten wir noch aufsteigen, dort übernachten und am nächsten Tag die Tour beginnen. Nach guten 1,5h waren wir oben angekommen und bezogen das Lager. Herrlich geräumige Lager im Vergleich zu vielen anderen Alpenvereinshütten, die ich kannte. Auch das Abendessen war sensationell. Auswahl zwischen 2 Suppen, Salatbüfett vom Feinsten und beim warmen Essen konnte man zwischen 3 Gerichten wiederum am Büfett auswählen oder auch durcheinandermischen. Süßspeisen und Käse rundeten das Ganze ab. Ein kulinarischer Genuss!! 
Danach gab es noch ein Bierchen, dann aber ab ins Bett.

Um sechs Uhr in der Früh starteten wir unsere Tour. Da waren wir nicht bei den Allerersten dabei, es gab aber auch noch genügend, die nach uns starteten. Mit Stirnlampe ausgerüstet marschierten wir los, konnten sie aber nach wenigen Minuten schon wieder ausmachen, das bereits genügend Tageslicht vorhanden war. Die erste Stunde war ein richtig schönes Einwandern im Hinblick auf das, was mich an diesem Tag noch erwarten sollte. Bevor es an den Fels ging, mussten wir noch ein Gletscherstück überwinden, wozu auch das Anziehen der Steigeisen nötig war. Wenig später ging es dann an den Fels, der aber nur aus einfacher Kletterei bestand. Nachdem wir von der Stüdlhütte aus gesehen so ungefähr 700 Höhenmeter überwunden hatten, erreichten wir nach 2 Stunden und 40 Minuten das Frühstücksplatzl.

Hier findet man ein gelbes Schild, auf dem geschrieben steht, dass man die ganze Unternehmung sein lassen sollte, wenn man bis hierher länger als 3 Stunden brauchte. Da war ich nun fürs Erste beruhigt – das hatte ich schon mal gut hingekriegt. Ab hier kamen nun auch schwierigere Kletterstellen und wir entschieden uns, am laufenden Seil zu klettern. Das sah so aus, dass Till die allermeisten Stellen ungesichert vorstieg und ich im Nachstieg hinterher kletterte. Das funktionierte auch perfekt und ich war erstaunt, wie gut es vorwärts ging. Nach und nach trafen wir dann auf andere Seilschaften, da es doch zu leichten Verzögerungen kam. Eine Seilschaft aus England vor uns hatte doch größere Schwierigkeiten mit dem Stüdlgrat und so mussten alle anderen warten bis sie wieder eine Seillänge hochkletterten. Irgendwann konnten wir aber überholen und mittags waren wir oben am Gipfel angelangt. Unbeschreibliche Aussicht, unbeschreibliches Wetter, unbeschreibliches Gefühl.
Dennoch blieb in mir ein gewissen Unbehagen, da die Tour hier oben ja nicht zu Ende war. Es erwartete mich noch ein langer Abstieg. Perfekt wäre es gewesen, wenn es hier einen Lift nach unten gegeben hätte 😉 Hat es aber nicht. So drängte ich dann doch zum Aufbruch.

Über leichte Kletterei ging es erst hinunter, danach zum kleinen Glockner wieder hinauf. Über die Glocknerscharte gelangte man zum Glocknerleitl, eine 40 Grad steile Stelle, die abgeklettert werden musste. Nachdem wir den ersten Teil hinter uns gebracht hatten, fanden wir nordseitig einen Bohrhaken, hängten kurzentschlossen das Seil ein und seilten ab. Danach brauchten wir wieder die Steigeisen über ein kurzes Gletscherstück bevor man dann schon den Kaiserschmarrn der Adlersruhhütte riechen konnte.

Nach einem verdienten Bierchen, einem ganz lieben Kontrollanruf der heimischen Sektion, ob ich den Gipfel erreicht hab, ging es weiter Richtung Tal. Über den Mürztaler Steig, den wir entgegen der meisten Tourenbeschreibungen bis zum Ende durchgingen, erreichten wir das Ködnitzkees. Da wir aber lange am Steig oben blieben, hatten wir im Eis mit Steigeisen nur noch ein kurzes Stück zu überwinden. Danach ging es zuerst noch über loses Geröll, dann aber bald übergehend in Gebirgswanderpfade hinunter bis ins Tal.

Fazit: Das war ein Wahnsinnstag. Es hat großen Spaß gemacht. Unbeschreibliche Aussicht bei bestem Wetter. Schwierig waren nicht die Kletterstellen. Schwierig wurde es ab dem Gipfel. Die Länge der Tour hat mich doch viele Körner gekostet. Und am meisten angestrengt hat mich das Gehen im vermeintlichen Gehgelände. Hier hat es sich gezeigt, dass ich heuer noch nichts Alpines gemacht hatte. Belohnt wurde ich dafür mit einem Muskelkater in den Oberschenkeln, der normales Gehen in den folgenden Tages unmöglich machte 😉

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