Sabine im Trailfieber

Gore-tex Transalpine Run – Run2

Der GORE-TEX Transalpine Run ist eines der härtesten und zugleich spektakulärsten Trailrun-Events der Welt. Dabei startet man entweder auf der Ostroute von Garmisch – Partenkirchen oder auf der Westroute von Fischen im Allgäu aus zu dem Abenteuer der Alpenüberquerung zu Fuß. In sieben Tagen geht es auf der diesjährigen Ostroute im Team von 2 Personen über Nassereith, Imst, Pitztal, Sölden, St. Leonhard in Passeier, Sarntheim nach Brixen. 300 Teams starten am 2. September zu diesem emotionalen Team Etappenlauf mit 257,6 km und 16.446 Höhenmeter. Schon immer liebäugelte ich mit dem Gedanken, einmal an diesem legendären Laufevent teilzunehmen. Zu groß ist aber der Trainingsaufwand, um dieses Abenteuer gut zu überstehen.

Im Frühjahr dieses Jahres erfuhr ich nun, dass es heuer erstmalig eine „Schnuppervariante“ des Transalpine Run geben sollte, den sogenannten Run2. Dabei werden nur die ersten beiden Etappen mitgelaufen. Genauer gesagt 70 Kilometer und ungefähr 4000 Höhenmeter. Die Begeisterung kam sofort zurück und in meiner Freundin Helga fand ich auch gleich eine Mitstreiterin. Somit stand das Team und die Anmeldung folgte schon in den darauffolgenden Tagen.

Nach dem Triathlon im letzten Jahr sollte es also in diesem Jahr wieder mehr um die Lauferei gehen. Andechstrail und Stilfserjoch Marathon liefen als Vorbereitungsläufe nicht schlecht. Doch schon bei meinem Einsatz als Staffelläuferin in Roth merkte ich, dass irgendwie die Luft raus war. Ich lief nur noch mit angezogener Handbremse. Ruhe war nun angesagt, bevor es Anfang der Ferien zum Alpencross auf dem Rennrad ging. Schlag auf Schlag folgte das Abenteuer Norwegen mit Triathlonsupport und Wandern. Wieder daheim wurde mir klar, dass ich es schon in einer Woche zum Run2 ging. Uiuiui – das wird wohl ein gnadenlos hartes Rennen werden. Aber was solls – wir wollten die beiden Etappen genießen und mit viel Spaß durchkommen. Um eine Platzierung ging es uns sowieso nicht.

So fuhren wir dann am Samstag, den 1. September nach Garmisch, um uns die Startunterlagen zu holen. Alles verlief hier in äußerst herzlicher Weise. Man erklärte uns, wie das mit den Taschen funktioniere, die an beiden Tagen im Zielbereich für uns bereit liegen würden. Und auch unsere Reisetasche wurde von Garmisch aus in das Hotel in Nassereith transportiert. Wir bummelten nun noch ein wenig durch die Stadt und vorsorglich deckte sich Helga noch mit einer Regenjacke ein, da für den morgigen Tag kein gutes Wetter angesagt war. Nach ordentlichem Carboloading in Form von Pizza machten wir uns auf den Weg in unser Hotel in Grainau. Nun packten wir unsere Trailrucksäcke und achteten akribisch auf die Vorgaben, damit wir ja nichts an Pflichtgepäck vergaßen. Sogar Gels und Riegel beschrifteten wir mit unserer Startnummer.

Nachdem wir alles beieinander hatten, überprüften wir noch einige Male, bevor wir müde, aber auch sehr angespannt ins Bett fielen. Um 6 Uhr klingelte der Wecker, wir füllten noch einmal unsere Kohlenhydratspeicher mit Semmel und Müsli auf, bevor wir uns dann auf den Weg zum Hausberg nach Garmisch machten. Hier durfte unser Auto 2 Tage kostenfrei stehen bleiben. Die Reisetasche nahmen wir mit zum Kongreßhaus und auch den Beutel mit den Klamotten fürs Ziel durften wir nicht vergessen. Als dann beide Taschen abgegeben waren, schlenderten wir auch schon zum Einchecken in den Startblock. Unsere Ausrüstung wurde hinsichtlich des Pflichtgepäcks kontrolliert und dann standen wir mitten unter all den anderen Teilnehmern des Transalpine Run. Lediglich an der Farbe der Startnummer erkannte man, wer „nur“ am Run2 teilnahm. Etwas 100 Teams waren gemeldet für diese neue Variante. Pünktlich um 9 Uhr ging es los und wir wurden auf die Strecke geschickt.

In einem ständigen Auf und Ab bewältigten wir 44 Kilometer und 2600 Höhenmeter. Ich merkte deutlich meine fehlenden Laufkilometer und war aber dennoch erstaunt, dass ich so gut mit Helga mithalten konnte. Bei Kilometer 25 hätte ich mir kurz gewünscht, dass das Ziel schon in Sicht wäre, aber ich fing mich bald wieder. Helga war zwar im Bergauflaufen fitter als ich, aber dieses Mal sollte ich im Downhill etwas flotter unterwegs sein. Aber eben genau das macht dieses Laufabenteuer aus. Einer alleine gewinnt hier nichts, man muss zusammen über die Ziellinie laufen. Man muss zusammen dieses Abenteuer überstehen. Die ganze Zeit lauerten wir auf das schlechte Wetter und den Dauerregen, der für heute angesagt war. Aber nichts dergleichen passierte. Es nieselte hin und wieder leicht, es war neblig, aber von Dauerregen keine Spur. Sogar ideales Laufwetter. Die gesamte Strecke der Etappe 1 war wunderbar zu laufen. Im Downhill waren keinerlei Passagen, die nicht auch wir hätten gut bewältigen können, auch wenn heute alles nass war aufgrund der letzten Regentage. Ich hatte schon viel technischere Downhills kennengelernt, auf denen ich nur noch runterstopseln konnte. Hier bei Etappe 1 des Transalpine Runs war es ein sehr ansprechender Streckenverlauf. Helga und ich benötigten am Ende 8,5 Stunden und waren aber zu keiner Zeit schlecht gelaunt. Glücklich liefen wir in Nassereith ins Ziel. Die erste Etappe hatten wir hinter uns und Spaß hatten wir immer noch. Lange hielten wir uns nicht hier aufgrund der kühlen Temperaturen aber nicht auf, sondern schnappten uns bald ein Taxi, das uns ins Hotel kutschierte. Nach heißer Dusche gönnten wir uns noch einmal eine Pizza, Speicher mussten aufgefüllt werden. Entgegen jeder Ernährungsphilosophie tranken wir auch jeder ein Gläschen Rotwein. Danach noch Tasche packen für Etappe 2 und schon lagen wir wieder im Bett. Nun aber etwas weniger aufgeregt als noch tags zuvor, Sorgen machten wir uns lediglich über die Stärke des Muskelkaters, der uns morgen erwarten würde.

 

Dann war auch schon der Morgen des 2. Renntages da. Die Muskeln taten weniger weh als erwartet. Wieder gab es Semmeln, heute sogar mit viel Nutella 😉

Start war für uns um 8:20 Uhr. Um Stau zu vermeiden wurde in Wellen gestartet, da es gleich nach dem Start steil und eng bergauf ging.

Hörte man anfangs noch viel Geratsche unter den Läufern, waren hier sehr bald alle still. Steil ging es auf schmalen Pfaden in Serpentinen bergauf. Sehr froh war ich, dass ich meine Trailstöcke dabei hatte. Nicht enden wollend schraubten wir uns auf den höchsten Punkt der heutigen Etappe. Nach 9 Kilometern hatten wir fast 1000 Höhenmeter bewältigt. Anfangs zeigte sich das Wetter noch bewölkt, aber dann mehr und mehr sonnig. Wir hatten richtig gute Laune, aber immer wieder dachten wir an die Läufer, die nach dem heutigen Tag noch weitere 5 Etappen zu laufen hatten. Das konnten wir uns beim besten Willen nicht vorstellen, auch wenn es uns verhältnismäßig gut ging. Nie im Leben hätte ich aber auch gedacht, dass ich so gut durchkomme ohne einen einzigen langen Lauf in den letzten 8 Wochen. Dem Alpencross mit dem Rennrad sei Dank, dass es mir während dieser beiden Tage so gut ging. Dadurch hatten die Oberschenkel doch noch ein wenig Kraft bekommen, um hier mithalten zu können. Heute erreichten wir das Ziel in Imst nach 5 Stunden. Obligatorische Zielfotos wurden gemacht, bevor wir uns dann unser Klamottensäckchen holten, um uns umzuziehen. 2 Stunden mussten wir nun noch auf den Shuttlebus warten, der uns zurück nach Garmisch brachte. Bei Kaffee und dem Revue passieren lassen der letzten beiden Tage verging aber die Zeit recht schnell und um 18 Uhr waren wir wieder an unserem Auto, um die Heimreise anzutreten.

 

FAZIT:
Ein megaschönes Trailevent, das perfekt organisiert war. Die Idee des RUN2 ist super für all diejenigen, die gerne Trails laufen, sich aber dennoch nicht die Strapazen eines 7 Tage Rennens aufbürden wollen oder können. Man kann hier reinschnuppern in die Welt der Trailrunner, ist mittendrin und doch aber nach 2 Tagen wieder fertig. Die beiden Etappen von Garmisch nach Nassereith und dann weiter nach Imst waren trailtechnisch ganz nach meinem Geschmack. Teilweise sehr steil im Aufstieg, aber eben auch Downhills, die gut zu laufen waren.
Ich glaube, da komme ich wieder 😉

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