Sabine im Trailfieber

UTLW (Ultratrail Lamer Winkel) – eine lange Geschichte ;-)

Im Herbst 2014 bin ich per Zufall auf den UTLW gestoßen. Ich überlegte wie üblich gar nicht lange rum und als eine der Ersten meldete ich mich auch schon für die „Bayerwald – Königin“ an. Als Geschenk dafür erhielt ich dann im Starterpaket auch echt ein „Kapperl“ von Dynafit.

Das restliche Jahr 2014 plätscherte dahin, es begann erst einmal die Skitourensaison. Zwischendurch war ich im Januar noch beim Spindellauf im Donaueinkaufszentrum (Halbmarathon!) und beim Rodgauer Ultramarathon (50 km) dabei. Im Februar wurde mir dann allmählich bewusst, dass schon in 3 Monaten der UTLW stattfindet und ich mir langsam Gedanken über einen Trainingsplan machen sollte. Was mir außerdem Kopfzerbrechen machte, waren Schmerzen in der linken Hüfte, die nicht vergehen wollten. So konsultierte ich nun erst einmal einen Orthopäden und mir wurde gesagt, dass es nichts am Knochen sei, sondern eine rein muskuläre Geschichte. Ich erhielt 10 Einheiten beim Physiotherapeuten, Stoßwellentherapie, Reizstrom, Kinesiotape – und das alles über 5 Wochen.

Fazit: Es wurde eher schlimmer und ich konnte nicht an Laufen denken. Im Hinblick auf den UTLW wurde ich nun richtig nervös. Während alle meine Laufkollegen nun schon ihre 100 Wochenkilometer absolvierten, brachte ich es auf 10 – 20 Kilometer. Ich begann mit Einheiten auf dem Stepper im Fitnessstudio. Zudem stellte ich auf dem Laufband die Steigung auf 15 % und marschierte lockere 5 Kilometer in der Stunde. Somit konnte ich ein wenig die Anstiege des bayerischen Waldes simulieren 😉 Des Weiteren holte ich mein Rennrad aus dem Keller und schrubbte auch hier Kilometer. Aber alles im GA 1 Bereich. Kein Intervall, keine Tempoeinheiten, keine Läufe!! Ach ja – sonntags rollterte ich 50 Mal um die 400m – Bahn auf den Skirollern im klassischen Stil. Somit brachte ich es auch auf zusätzliche 20 Kilometer! Anfang Mai fuhren wir alle nach Gunzenhausen zum Altmühltrail.

Urkunde Langstrecke Altmühltrail
Urkunde Kurzstrecke Altmühltrail
Urkunde Gesamtstrecke Altmühltrail

Meine Ergebnisse konnten sich sehen lassen, aber was mich am meisten überraschte war die Tatsache, dass sich meine Hüftschmerzen in Grenzen hielten. Sollte es tatsächlich daran liegen, dass ich nach der ganzen nicht zum Erfolg führenden medizinischen Behandlung auf IWEST – Magnokollagen Pferdefutter umgestiegen bin?
Am Vatertag wollten dann meine Freundin Helga und ich es wissen. Wir fuhren nach Arrach, um die erste Etappe bis zum Großen Arber abzulaufen. Nach Startschwierigkeiten hinsichtlich der Wegführung, waren wir aber irgendwann im Wald Richtung Eck 😉 Dies konnte niemals der Trail sein, denn wir befanden uns annähernd im Unterholz. Nach diesen Strapazen im Wald gelangten wir zu einem einsamen Bauernhof und der nette Bewohner klärte uns auf, wo wir die Spuren des UTLW finden können 😉 Puh – das schafften wir dann auch und nach 1,5 Stunden waren wir in Eck. Nun ging die Tortur los. Kilometer für Kilometer kämpften wir uns über die Gipfel. Auf den Goldsteigpfaden war aufgrund des Feiertages relativ viel los und auch das Wetter war mit 16 Grad recht angenehm. Schon während der ganzen Lauferei prophezeite ich meiner Freundin, dass ich heute noch stolpern würde, weil ich immer wieder an den Wurzeln oder Steinen hängen blieb. Und kurz vor dem kleinen Arber war es dann endlich soweit. Ein kurzer unaufmerksamer Moment und schon purzelte ich dahin. Ein aufgeschlagenenes Knie und ein geprelltes rechtes Schienbein waren die Folge. Da wir natürlich heute noch nicht unser Notfallbag im Laufrucksack hatten, waren wir auf die Hilfe von netten Wanderern angewiesen, die ein Pflaster bei sich hatten. Aber es half alles nichts – wir mussten weiter. Wie sehnten wir die Chamer Hütte herbei. Dort angekommen, füllten wir unsere Flaschen und ruhten uns erst einmal aus. Es waren nun 5 Stunden seit dem Start vergangen. Da wir von hier aus gleich nach Brennes runter wollten, rechneten wir noch eine halbe Stunde drauf und so wären wir also nach 5,5 Stunden auf dem Großen Arber gewesen – sprich bei VP2 beim UTLW. Ein Mountainbiker verriet uns nun eine Abkürzung runter nach Brennes und nach 7 Stunden waren wir wieder beim Auto.

Fix und alle, aber mit der Gewissheit zumindest den anstrengendsten Teil des UTLW gelaufen zu sein, fuhren wir nach Hause. Was mich am glücklichsten aber machte war die Tatsache, dass ich fast keine Schmerzen in der Hüfte hatte.

Pferdefutter ist der Hammer 😉

Dennoch hielt ich mich aber auch in den verbliebenen Wochen zurück mit Laufen und verlagerte mein Training auf das Rad.

kalender

In der nun kommenden Zeit flatterten immer mehr Informationen über den UTLW herein und irgendwann bekam ich auch diese „Cutoff“ Zeiten zu Gesicht. Da hieß es, dass man nach 1,5 Stunden in Eck und nach 7 Stunden auf der Scheibe sein musste. Ansonsten wurde man aus dem Rennen genommen und musste mit dem Bus nach Lam fahren.

So – wann waren wir damals bei unseren Training in Eck?

Genau – nach 1,5 Stunden!!

Und wann waren wir am Großen Arber?

Genau – nach 5,5 Stunden!!

Und wie lange braucht man vom Arber auf die Scheibe?

Richtig – länger als 1,5 Stunden!!

Fazit: Helga und ich mussten Bus fahren!! Von nun an hatte ich nur noch einen Gedanken: Ich wollte auf gar keinen Fall Bus fahren! In meiner Verzweiflung sah ich mir nun auch die Starterliste durch und googelte ein wenig nach all den Damen, die so in meiner Altersklasse auf der Liste standen. Und – was konnte mir Tante Google alles verraten. Es waren fast ausnahmslos erfahrene Ultramarathon – Läuferinnen mit einer jahrelangen Läuferkarriere. Mir wurde einfach nur schlecht! Mit meiner großen Sorge, dass ich auf keinen Fall Bus fahren wollte, trieb ich mein familiäres Umfeld fast in den Wahnsinn.

Der große Tag

Schon am Freitag, sprich ein Tag vor dem UTLW reisten wir nach Lam, um auch bei dem verpflichtenden Rennbrieving anwesend zu sein. Außerdem spachtelten wir die angebotenen Nudeln in uns rein und schauten uns schon mal die ein oder anderen Gesichter an. Ich versuchte die gegoogelten Damen und die Gesichter irgendwie zuzuordnen 😉 OMG – sehen die alle fit aus. Auf was hatten wir uns da eingelassen. Die drei Bürgermeister der Gemeinden Arrach, Lam und Lohberg vertrieben nun aber meine negativen Gedanken und brachten Schwung in die Veranstaltung. Es versprach eine äußerst herzliche Veranstaltung zu werden. Man merkte schon jetzt, dass hier im Orgateam erfahrene Läufer sind und das Team Gamsbock machte auf mich einen sehr professionellen, aber trotzdem familiären Eindruck. Nachdem wir nun noch einmal den Streckenverlauf gezeigt bekamen, machten wir uns auf ins Hotel, um noch ein Bierchen gemeinsam zu trinken. Ich konnte dann auch gut schlafen und um 5 Uhr klingelte am nächsten Morgen der Wecker. Noch einmal checkte ich ab, ob das Pflichtgepäck vollständig verstaut war.

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Ich überlegte auch noch ein wenig, ob langes oder kurzes Shirt, entschied mich dann aber doch für kurz. Um sechs Uhr gab es Frühstück von einem besonders leckeren Büffet, nur leider mussten wir uns alle ja etwas zurück halten ob der bevorstehenden Belastung. Zusammen mit den Wernbergern fuhren Helga und ich zum Start nach Arrach. Pünktlich um 8 Uhr war der Start, vorher musste man sich noch registrieren lassen und sporadisch wurde auch das Pflichtgepäck überprüft.

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Nach einer Aufwärmrunde um den See, ging nun der Trailrun los. Helga und ich stellten fest, dass wir hier bei unserem Testlauf nicht waren 😉 Später erfuhren wir auch, worin der Fehler lag. Wir bogen auf dem Radlweg zu früh rechts ab und gelangten damit tatsächlich ins Unterholz 😉

Unser Ziel war nun, in 1,5 Stunden in Eck zu sein und trotzdem nicht vom Start weg zu schnell zu laufen. So liefen wir halt locker und ermahnten uns gegenseitig, vor allem bei den Steigungen, Tempo rauszunehmen. Wir merkten aber schon ziemlich bald, dass wir bei den Anstiegen nicht schlecht dabei waren. Bis Eck waren wir fast nur am Überholen, ohne uns aber wirklich zu arg anstrengen zu müssen. So hatten wir dann tatsächlich unser erstes Ziel erreicht. Nach 1 Stunde und 15 Minuten waren wir in Eck und uns ging es blendend. Ich nahm hier nun mein erstes Gel vom Verpflegungsstand (glücklicherweise gab es Powerbar, das ich selber auch hatte und sehr gut vertrug) und füllte meine Flasche auf.
 Der anstrengendste Teil bis zum Großen Arber stand uns bevor und es hieß, dass sehr viele Läufer hier 3 Stunden brauchen werden und es gibt dazwischen keine Verpflegung. Nun ging es also weiter! Und auch hier zeigte sich fortan, dass uns die Anstiege gut lagen. Immer wieder konnten wir Läufer überholen und auf den flachen Passagen ein wenig Tempo machen. Beim Laufen merkte ich allerdings noch ein wenig Angst in mir, bin ich doch beim Testlauf genau auf dieser Etappe hingefallen. Je mehr wir nun Richtung Kleiner Arber kamen, spürte ich auf einmal ein Ziehen in den Waden und mir fiel ein, dass ich noch kein Gel genommen hatte. Schnell kramte ich eines aus meinem Rucksack und es war gerade noch der richtige Zeitpunkt.Ich konnte mich recht bald wieder erholen und an der Helgas Seite bleiben. Nun setzte auch immer wieder Regen ein und an den höher gelegenen Stellen blies ein starker Wind. Teilweise froren wir richtig und hatten beide eiskalte Hände. So ging es nun weiter bis zum Arber. Mal zogen wir die Jacke an und dann wieder aus. Hier zeigte sich dann auch, was wir doch für ein eingespieltes Team waren. Zu keiner Zeit musste eine von uns ihren Rucksack abnehmen. Während des Gehens konnten die Jacken gegenseitig gereicht und auch wieder verstaut werden 😉 So – uns nun kommt die absolute Überraschung für uns alle beide: Wir waren um 12 Uhr am Großen Arber – sprich nach 4 Stunden. Und nun war uns Eines klar:

Wir mussten NICHT BUS fahren 😉

Wir schnappten uns nur schnell ein Gel, tranken was und schon ging es voller Enthusiasmus hinunter nach Brennes und weiter nach Ebensäge. Unser Gespräch drehte sich in dieser Zeit nur immer wieder darum, dass es uns gut ging und dass wir nicht Bus fahren mussten. Dann kam der Anstieg zur Scheibe und nach 5 Stunden und 45 Minuten waren wir hier angelangt. Da traf ich dann sogar Fans aus meinem Heimatdorf Plößberg. Das machte Mut nach 35 Kilometern in den Beinen. Nun hieß es noch einmal Zähne zusammenbeißen. 2 Anstiege kommen noch. So stärkten wir uns mit Gel, Brot und Nüssen und weiter ging es Richtung Zwercheck. Trotz all der Strapazen konnten wir beide den Lauf auch an dieser Stelle noch genießen, denn unser Ziel war erreicht.

Der Bus war Geschichte.

Vom Zwercheck kam eine für viele verhasste Passage, leicht bergab auf einem breiten Forstweg. Für mich war das aber jetzt sehr angenehm und wir konnten es noch einmal so richtig laufen lassen. Dann kam der Aufstieg zum Osser und wir erinnerten uns an Toms Worte, hier unbedingt noch einmal ein Gel zu nehmen. Das taten wir und das war gut so. Bald waren wir an VP4 und über den Holy Trail ging es Richtung Lam und damit Richtung Ziel. Während Helga nun voll im Flow war, sehnte ich mich nur noch nach dem Ende. Bergab ist nicht meine Stärke und schon gar nicht mit 45 Kilometern in den Beinen. Helga war kaum mehr zu bremsen. Ich musste mir etwas einfallen lassen, um zu vermeiden, dass sie in ihrem Flow stürzte 😉 So erinnerte ich mich an das Sommerrodeln mit meinem Sohn, als dieser noch klein war. Da fuhr ich immer vorneweg, so dass er nicht an mir vorbei konnte. So machte ich es auch mit Helga 😉 Ich lief einfach vor ihr. Von hinten musste ich dann die Meckerer hinnehmen, dass wir bei meinem Tempo das Ziel niemals erreichen würden 😉 Irgendwann waren wir dann unten – es kam nur noch die Wiese – dann die Treppenstufen – und dann sahen wir schon den roten Teppich. Hand in Hand liefen wir auf das Ziel zu und die Uhr stoppte bei 8:21.

Es war der Hammer!

1,5 Stunden schneller als wir geplant hatten und im Ziel by fair means – sprich ohne Bus 😉 Danke Helga – du warst die beste Begleitung!!

Danke aber auch an alle Verantwortlichen bei diesem UTLW. Ich habe noch nie ein Rennen erlebt, wo mit soviel Herzblut agiert wurde. Da können sich die „großen“ Veranstalter eine Scheibe abschneiden von den „Woiderern“ 😉

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Unser Lauf

Weitere Berichte zum UTLW:

Bericht Detag Wernberg

Bericht Tom

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